Tag 149 - 153: Catlins, Dunedin und Mt Cook

Nachdem wir morgens in Invercargill gelandet sind und ein sehr leckeres Frühstück genossen haben, fahren wir die Ostküste Richtung Norden. Hier befinden sich “The Catlins”, eine Region berühmt für ihre vielfältige Natur - eine Kombination aus Regenwald, Küste und Farmland. Wir starten unsere Tour entlang der Küste am Slope Point. Dies ist der südlichste Punkt der Südinsel - auch wenn wir am Morgen ja noch auf Stewart Island und damit nochmal ein gutes Stück südlicher waren.

Diese Landmarke ist umgeben von grünen Wiesen, welche an steilen Klippen in eine raue See abfallen. Die Landschaft erinnert ein wenig an Südengland - und der leichte Nieselregen verstärkt diesen Eindruck noch zusätzlich.

Weiter geht es an der Küste zur Curio Bay. Hier gibt es einen kleinen Petrified Forest - versteinerte Bäume, die bei Ebbe aus dem felsigen Boden herausschauen. Leider nicht so farbenfroh wie bspw. im Petrified Forest National Park in den USA (sehr empfehlenswert!), aber dennoch beeindruckend. Die Bäume stammen aus der Jurazeit, als Neuseeland noch zum Urkontinent Gondwana gehörte. Was heute zwischen den Wellen liegt, war damals tatsächlich ein Wald.

Von hier aus geht es ein wenig ins Landesinnere. Nach einem kurzen Spaziergang durch den Regenwald gelangen wir zu den mystischen Koropuku Falls.

Als Nächstes geht es zu den McLean Falls. Auch hier ist der Fußweg nicht sonderlich lang - und die Wasserfälle durchaus lohnend. Insbesondere, da sie von einem herrlich grünen Bewuchs eingerahmt werden.

Eine ganz andere Landschaft bekommen wir nach etwa 20 Minuten Autofahrt am Tautuku Estuary Boardwalk geboten, der durch ein Salzmarschgebiet führt.

Und weiter geht’s auf der Southern Scenic Route. Vom Florence Hill Lookout hat man einen tollen Blick auf die Küste.

Ein paar Kilometer weiter unternehmen wir weitere Spaziergänge: zu den nebeneinander gelegenen Matai Falls und Horseshoe Falls sowie den etwas später an der Route liegenden Purakaunui Falls.

Die Purakaunui Falls

Wir fahren noch ein paar Kilometer durch diese sehr dünn besiedelte, sehr grüne Landschaft und erreichen wenig später - mittlerweile ist es bereits Abend geworden - schließlich den direkt am Meer mit Aussicht gelegenen Purakaunui Campground.

Hier sind wir nicht alleine mit unserem Zelt - aber der Campingplatz ist weitläufig genug, um ihn sich mit anderen Campern zu teilen. Und der Schönheit des Ortes tut das auch keinerlei Abbruch.

Am nächsten Morgen fahren wir zum Nugget Point, einer Felsnase mit Leuchtturm - und darunter blaues, wildes Meer mit Felsen, die aussehen, als hätte ein Riese sie zum Spaß in die Brandung geworfen. Diese Felsen haben dem Nugget Point übrigens seinen Namen gegeben: Ihre Form erinnert an Goldnuggets.

Nachmittags erreichen wir Dunedin und die Otago Peninsula. Hier haben wir eine Übernachtung in Larnach Castle gebucht.

Hat dieses Anwesen in seiner bewegten Geschichte zumeist als Wohnsitz wohlhabener Geschäftsleute gedient, so ist es heute ein gehobenes Hotel. Das einzig erhaltene Schloss Neuseelands wurde in den letzten Jahrzehnten Stück für Stück renoviert und lässt sich besichtigen. In den Räumen des Schlosses selbst kann man nicht übernachten, dafür aber in verschiedenen auf dem Gelände befindlichen Unterkünften. So auch in den ehemaligen, großartig hergerichteten Ställen - welche, wie man vermuten könnte, zwar nicht so edel sind wie die Lodge oder das Camp Estate, einen dafür aber ein wenig in der Zeit zurückversetzen. William Larnach ließ das Herrenhaus im schottisch-viktorianischen Stil errichten. Der Grundstein wurde 1871 gelegt, 1874 zog die Familie ein – während am Gebäude noch weitergearbeitet wurde. Besichtigen lassen sich neben den Räumlichkeiten auch die Gärten - und der Eintritt ins Schloss ist in der Übernachtung bereits inbegriffen, was diese fast schon zu einem Schnäppchen macht.

Nach der Besichtigung der Anlage fahren wir noch zur nahegelegenen Sandfly Bay und wandern das kurze Stück auf den Sandymount hinauf.

Blick auf die Sandfly Bay.

Zwar kann man im Schloss selbst - wie gesagt - nicht übernachten, aber man kann dort essen. Und daher haben wir uns für das viergängige Abendessen im historischen Ambiente entschieden. Und so dinieren wir, wie es vermutlich früher auch die Hausherren taten: an einer großen Tafel im Speisesaal.

Anschließend bekommen wir sogar noch eine kurze Führung durch das Schloss bei Nacht und können vom Dach die Lichter des unten am Meer liegenden Dunedin sehen.

Weniger herrschaftlich, aber dennoch herrlich: der Frühstücksaal in den früheren Stallungen.

Am nächsten Morgen stoppen wir in Dunedin noch bei den beiden Kathedralen St. Joseph (katholisch) und St. Paul (anglikanisch), bevor wir zur steilsten Straße der Welt fahren.

Die Baldwin Street ist im steilsten Bereich so stark geneigt, dass eine Asphaltierung nicht möglich gewesen wäre und sie stattdessen betoniert wurde. An der steilsten Stelle beträgt die Steigung stolze 34,8 Prozent – auf zehn waagerechte Meter kommen also fast dreieinhalb Höhenmeter. Da bekommt der Begriff Bergstraße gleich eine ganz andere Bedeutung.

Eigentlich ist die Straße für Nicht-Anwohner gesperrt - aber diese Gelegenheit konnten wir uns dann leider doch nicht entgehen lassen. Auf Fotos lässt sich die “Steilheit” einer Straße immer schlecht einfangen, aber im Auto sitzend hat man sie doch sehr deutlich gespürt. Am besten kann man die Neigung wohl noch erahnen, wenn man sieht, dass die Straße auf die Länge eines Hauses grob um dessen Höhe ansteigt.

Von Dunedin aus fahren wir an der Küste entlang und halten bei den Moeraki Boulders: großen glatten Kugeln, die am Strand verteilt liegen. Die Kugeln entstanden im Schlamm eines urzeitlichen Meeresbodens, als Kalk nach und nach das Sediment verkittete. Später legten die Wellen sie aus den weicheren Küstenklippen frei.

Nun verabschieden wir uns von der Küste und fahren ins Landesinnere bis zum Lake Pukaki und Richtung Mt Cook Village. Benannt ist das Village nach dem 3.724 Meter hohen Aoraki/Mount Cook, dem höchsten Berg Neuseelands, welchen man bei guter Sicht von einigen Wanderwegen aus sehen können sollte.

Natürlich nicht ohne jede Menge Fotostopps einzulegen, denn der hellblaue Gletschersee und die schneebedeckten Berge geben ein tolles Panorama ab. Besonders gut gefällt uns der Peters Lookout. Das beinahe unnatürliche Türkis verdankt der See übrigens sogenanntem Gletschermehl: feinsten Gesteinspartikeln, die von den Gletschern zermahlen wurden und im Wasser das Licht streuen.

Beim Mt Cook Village biegen wir rechts ab und fahren ins Tasman Valley. Nach einem kurzen Anstieg zu Fuß erreichen wir über den Blue Lakes and Tasman Glacier Walk einen Aussichtspunkt mit Blick auf den Tasman-Gletscher und den zu Füßen liegenden Tasman Lake. Tatsächlich begann dieser See sich erst in den 1970er-Jahren zu bilden. Seitdem wächst er mit dem Rückzug des Tasman-Gletschers immer weiter an und kündet von dessen Ende.

Zurück beim Mt Cook Village fahren wir zum White Horse Hill Campground, wo wir die Nacht verbringen werden.

Bevor wir jedoch in unser Zelt verschwinden, fahren wir zurück ins Dorf - im Wesentlichen ein riesiges Hotel - und feiern dort mit einem großen Buffet, Livemusik und Tanz ins neue Jahr. Dieses Mal ganz ohne Feuerwerk, denn das ist hier im Tal verboten - aus Angst vor Waldbränden. Nachdem wir die letzten Silvesterfeiern entweder in München oder einer anderen großen Stadt zugebracht haben, ist das mal etwas ganz anderes. Und tatsächlich hatten wir nicht das Gefühl, dass uns etwas gefehlt hätte. Dieses Neujahr ist etwas Besonderes. Vor allem aber, weil es in den Sommer fällt - auch wenn man das hier oben nur bedingt merkt.

Den nächsten Tag starten wir mit zwei kürzeren Wanderungen: Die erste führt entlang des Hooker Valley Tracks, der leider bei unserem Besuch nur bis zur zweiten Hängebrücke geöffnet ist, aber dennoch schöne Blicke auf den Mueller Lake und Mueller-Gletscher bietet.

Die zweite Wanderung geht zum Kea Point, von wo aus man theoretisch einen guten Blick auf den Mt Cook hat, leider versteckt er sich jedoch während unseres Besuchs in den Wolken.

Blick vom Kea Point aus.
Blick über den Lake Pukaki in Richtung des wolkenverhangenen Mt Cook.

Weiter geht es zum Lake Tekapo, der vor allem für die kleine Church of the Good Shepherd und die blühenden Lupinenfelder in seiner Umgebung bekannt ist - die dankenswerterweise gerade zur Höchstform auflaufen. So schön die Lupinen aussehen, für die heimische Natur sind sie leider weniger erfreulich: Die eingeführten Pflanzen überwuchern offene Kiesflächen in den Flussbetten und verdrängen damit unter anderem die Brutplätze heimischer Vögel.

Wir nutzen den See aber nicht nur als Fotomotiv, sondern auch für unser Neujahrsschwimmen. Auch wenn das Wasser nicht wirklich warm ist, so angenehm wird es mit 20 Grad Lufttemperatur und ca. 15 Grad Wassertemperatur wohl an Neujahr so schnell nicht wieder.

Vom Lake Tekapo fahren wir weiter nach Christchurch - unterbrochen von ein paar Fotostopps und einem etwas längeren Aufenthalt auf einem Rastplatz, um unsere Taschen zu packen und die Abgabe des Mietwagens vorzubereiten.

In der mit enormem Abstand größten Stadt der Südinsel angekommen, geben wir den Mietwagen zurück - denn am folgenden Morgen werden wir uns nach knapp vier Wochen von Neuseeland verabschieden müssen, um nach Singapur weiterzureisen.

Ein kleines Highlight in Christchurch haben wir uns bis zum Schluss aufgehoben: The Church Pub. Eine frühere Kirche, in der heute dem Bier, gutem Essen und guter Musik gehuldigt wird. Einerseits durchaus bizarr, andererseits eine tolle Idee, um das Kirchengebäude zu erhalten und einer neuen Verwendung zuzuführen.