Tag 147 - 149: Southland und Stewart Island

Nachdem wir die letzten Tage in Fiordland verbracht haben, geht es für uns weiter durch Southland Richtung Südküste. Verwaltungstechnisch sind wir dabei längst in Southland unterwegs: Die Region umfasst auch Fiordland mit dem Milford Sound und sogar Stewart Island. Neuseeland ist in 16 Regionen gegliedert - und Fiordland ist keine davon, sondern bezeichnet lediglich eine Landschaft. Mittags parken wir beim Flughafen von Invercargill, denn wir fliegen für zwei Tage nach Stewart Island. Stewart Island oder auch Rakiura ist die drittgrößte Insel Neuseelands und liegt südlich der Südinsel. Auf der Insel leben rund 500 Einwohner und der größte Teil der Fläche ist Teil des Rakiura National Parks. Stewart Island ist für seine Rakiura-Tokoekas bekannt – Kiwis, die ungewöhnlicherweise auch tagsüber auf Nahrungssuche gehen. Früher waren Kiwis in Neuseeland weit verbreitet; heute sind ihre Bestände durch Lebensraumverlust und eingeschleppte Raubtiere stark geschrumpft und vielerorts auf voneinander getrennte Rückzugsgebiete beschränkt. Stewart Island ist entweder mit einem 20-minütigen Flug oder mit einer einstündigen Fährfahrt zu erreichen. Wir entscheiden uns für den Flug, da unser Aufenthalt ohnehin nicht sonderlich lang ist, preislich kaum ein Unterschied besteht und der Flug mit einem kleinen Propellerflugzeug selbst bereits ein Highlight ist.

Der Flughafen von Invercargill ist relativ klein, und für unseren Flug gibt es interessanterweise keine Sicherheitskontrolle. Dass dies bei manchen neuseeländischen Inlandsflügen der Fall ist, hatten wir im Vorfeld schon mal online gelesen, aber noch nicht selbst erlebt. Es fühlt sich daher durchaus ein wenig komisch an, dass wir direkt aus der Wartehalle über das Rollfeld zum Flugzeug spazieren - eben ohne die ganzen gewohnten Kontrollen. Wir besteigen unseren Flieger gemeinsam mit sieben anderen Passagieren sowie dem Piloten und landen nach 20 Minuten in Oban, der einzigen Siedlung auf Stewart Island. Oban ist mit seinen knapp 400 Einwohnern eher ein Dorf als eine Stadt – und trotzdem das Zentrum des Insellebens.

Der Shuttlebus bringt uns zu dem kleinen Büro der Fluggesellschaft am Hafen - in direkter Nachbarschaft zu unserem sehr süßen, historischen Hotel (erbaut Anfang des 20. Jahrhunderts).

Nach dem Check-in machen wir uns direkt auf den Weg in die Golden Bay, denn hier haben wir eine vorab geplante Verabredung mit einem Wassertaxi, welches uns in wenigen Minuten nach Ulva Island übersetzen soll.

Auf Ulva Island gab es von 1872 bis 1923 eine Poststelle, an der die Bewohner der umliegenden Siedlungen ihre Post abholten. Besonders kurios: Besucher verschickten sogar getrocknete Blätter des Muttonbird Scrub als Postkarten – beschriften, Briefmarke drauf und ab dafür. Die neuseeländische Post war davon allerdings weniger begeistert und verbot die “Blätterpost” schließlich 1915.

Heute ist Ulva Island ein Vogelschutzgebiet, das gezielt von eingeschleppten Raubtieren freigehalten wird. Damit das so bleibt, müssen allerdings selbst hier immer wieder eingewanderte Ratten aufgespürt und bekämpft werden. Insbesondere für vulnerable Arten wie die Kiwis, welche zu den flugunfähigen Vögeln zählen, ist das ein entscheidender Vorteil.

Leider können wir während unseres Streifzuges auf schön angelegten Wegen durch dichte Wälder und entlang schöner Strände keine Kiwis entdecken, dafür aber einige Vögel — darunter Gesellen mit klangvollen Namen wie Südinselschnäpper, Gelbköpfchen, Ziegensittich, Gelbscheitelsittich, Austernfischer und Wekaralle.

Außerdem stolpern wir am Strand - im wahrsten Sinne des Wortes - fast über einen Seelöwen, der sich in den Sand gegraben hat und dort, als Stein getarnt, entspannt. Später entdecken wir auch noch einen Seelöwen mitten im Wald, der dort den Wanderweg blockiert. Und einen dritten erspähen wir, als wir - ebenfalls mitten im Wald - ein irritierendes Schnarchen vernehmen.

Zurück auf Stewart Island spazieren wir mit einem Stopp beim Observation Rock Viewpoint zurück zum Hotel. Dort lassen wir uns, bevor wir uns auf unser Zimmer mit tollem Blick auf den Hafen zurückziehen, ein gutes Essen schmecken. Auf Stewart Island wird sogar die Dunkelheit geschützt: Seit 2019 ist die Insel wegen ihres außergewöhnlich dunklen Nachthimmels als International Dark Sky Sanctuary ausgezeichnet.

Blick vom Observation Rock Viewpoint auf die vorgelagerten, kleinen Inselchen.

Am nächsten Morgen nehmen wir erneut ein Wassertaxi. Diesmal jedoch von der Halfmoon Bay, in welcher auch unser Hotel liegt und in der die Fähre zur Südinsel anlegt, bis nach Port William. Hier startet unsere Wanderung entlang eines Teilstücks des Rakiura Tracks. Der Rakiura Track ist einer der Great Walks und als rund 32 Kilometer lange Dreitagestour angelegt. Wer länger unterwegs sein möchte, kann auf der Insel auch den North West Circuit oder den Southern Circuit erwandern. Wir begnügen uns mit einem Abschnitt als Tagestour.

Von Port William geht es entlang der Küste durch Wälder und über den Māori Beach in der Wooding Bay bis zur Lee Bay. So friedlich der Māori Beach heute wirkt: Früher standen hier eine Sägemühle, Arbeiterhäuser und sogar eine Schule. Nach der Schließung der Mühle 1931 holt sich der Wald das Gelände langsam zurück.

Die riesige Kettenskulptur an der Lee Bay ist übrigens kein angeschwemmtes Schiffswrack: Sie steht für Māuis Ankerkette, die sein Kanu – die Südinsel – mit seinem Anker Stewart Island verbindet.

Von dort aus geht es dann weiter in die Horseshoe Bay. Auf dem Weg zurück zum Hotel stoppen wir noch bei den Moturau Moana Gardens, den südlichsten öffentlichen Gärten Neuseelands (wenig beeindruckend), sowie dem Bathing Beach.

Den restlichen Nachmittag verbringen wir mit Lesen und ein paar Partien “Freiluftschach”.

Am nächsten Morgen geht es früh mit dem Propellerflugzeug zurück nach Invercargill, von wo aus wir uns entlang der Ostküste Richtung Norden vorarbeiten werden.