Tag 145 - 148: Queenstown und Fiordland

Frohe Weihnachten - naja, fast. Immerhin ist heute schon Heiligabend. Auch wenn es sich einfach nicht richtig anfühlen mag.

Nach unserem überstürzten Aufbruch am Morgen vom Pleasant Flat Campground fahren wir zu den Thunder Creek Falls und anschließend zu den Fantail Falls.

Beim Haast Pass steigen wir in 10 bis 15 Minuten von der Straße auf Sattelhöhe zum Lookout auf und genießen den Blick auf die gegenüberliegenden Bergflanken.

Wieder beim Auto essen wir dann endlich unser Frühstück, nachdem wir vorher vom Campingplatz geflüchtet sind, um nicht unsererseits als Frühstück für die Sandfliegen herhalten zu müssen. Zwar sind die Biester auch hier aktiv, aber immerhin keine Heerscharen.

Die Straße führt uns zum Blue Pools Track, an dessen Ende jedoch leider nur braunes Wasser auf uns wartet — und eben nicht “blaue Becken”. Allerdings scheint die braune Färbung nach starken Regenfällen wohl normal zu sein und erst mit der Zeit stellt sich wieder der von den Touristen erwünschte Zustand ein.

Weiter geht unsere Fahrt Richtung Süden auf der SH6; erst vorbei an Lake Wānaka und dann an Lake Hāwea, wo wir an einigen grandiosen Aussichtspunkten herrliche Blicke auf die Seen und die umgebenden Berge genießen.

Auch ein Stopp beim, zumindest auf Instagram, berühmten Wānakabaum in Wānaka darf nicht fehlen. Hier treffen sich Scharen von Touristen, vorwiegend asiatischer Herkunft.

Von hier aus fahren wir auf der Cardrona Valley Road entlang an wunderschönen Wildblumenwiesen, auf denen zu dieser Jahreszeit Lupinen in großer Anzahl blühen. Dazu (grüne) Berge im Hintergrund und Sonnenschein. Richtig schön!

Anschließend führt dieselbe Straße, nun allerdings unter dem Namen Crown Range Rd, in Serpentinen ins Tal. Natürlich nicht ohne mehrere tolle Aussichtspunkte.

Angekommen in Queenstown gehen wir zur Abwechslung mal wieder indisch essen und genießen dann den nicht ganz so heilig anfühlenden Heiligabend — ausgerechnet in der selbsternannten „Adventure Capital of the World”.

In der Innenstadt ist es genau so voll wie daheim an Heiligabend - auch wenn es hier mehr Touristen und weniger Last-Minute-Geschenkekäufer sind.

Der nächste Morgen startet mal wieder mit Regen. Da wir uns zur Feier des Tages - immerhin ist ja Weihnachten - jedoch etwas gönnen wollen und daher kurz entschlossen eine Jetboottour geplant haben, ist das mit dem Wetter nur halb so schlimm. Das Jetbootfahren ist tatsächlich eine neuseeländische Erfindung: In den 1950ern tüftelte der Farmer Bill Hamilton daran, die flachen Flussbetten des Landes mit einem Boot befahrbar zu machen. Der Trick: Statt eines Propellers saugt das Boot Wasser von unten ein und drückt es durch eine steuerbare Düse am Heck hinaus - keine Teile unterm Kiel, kaum Tiefgang, und Geschwindigkeiten von bis zu 85 km/h. Bei solch einem Boot düst man rasend schnell über Seen, durch flache Flüsse oder schmale Schluchten, schneidet Felsen und Böschungen möglichst knapp und geht immer wieder scharf in die Kurve oder dreht gar 360°.

Eine spaßige Angelegenheit, die jedoch leider bei Weitem nicht so viel Adrenalin ausschüttet, wie wir uns erhofft hatten. Nach wenigen Minuten gewöhnt man sich an die Geschwindigkeit und spätestens nach der fünften 360°-Drehung verliert man auch hieran das Interesse. Vielleicht haben wir uns aber auch einfach für eine zu “harmlose” Route entschieden - andernorts fahren die Boote teils durch wohl deutlich schmalere Schluchten.

Mittags klart es auf und wir finden einen Aussichtspunkt, von dem man einen guten Blick auf Queenstown und den Lake Wakatipu hat.

Wir fahren entlang dieses Sees über Te Anau in den Fiordland National Park, wo wir auf dem Cascade Creek Campground inmitten von blühenden Lupinen übernachten. Unser eigentliches Ziel wird morgen dann Milford Sound sein - von Queenstown Luftlinie circa 75 km entfernt. Da es jedoch keine direkte Straßenverbindung gibt, sind es über 280 km.

Am nächsten Morgen fahren wir, nach einer verregneten und mit ca. 7 Grad recht kühlen Nacht, weiter auf der Milford Road bis zum Milford Sound. Die Straße zum Meer führt auch durch einen ca. 1,2 km langen Tunnel - der mit Abstand längste Straßentunnel, den wir in Neuseeland gesehen haben. Allerdings erinnert er von innen eher an ein Bergwerk - wenig ausgebaut und nur einspurig befahrbar. Faszinierend ist jedoch, wie viel schlechter das Wetter auf der anderen Seite des Tunnels ist.

Hier haben wir eine Bootsfahrt gebucht, auf welcher wir einmal den ganzen Fjord abfahren werden: vom Anleger bis zum Übergang ins offene Meer und wieder zurück.

Obwohl heute der zweite Weihnachtstag ist - oder gerade deswegen - und wir eines der ersten Boote gebucht haben, ist hier bereits ziemlich viel los. Tatsächlich haben wir uns vorab auch intensiv damit beschäftigt, welche Tageszeit für einen Besuch des Fjords wohl am besten geeignet ist: morgens, wenn das Wasser noch ruhiger ist und das Gro der Touristen noch nicht mit dem Bus aus Queenstown und anderen Städten angereist ist oder besser Abends im weichen Licht der sinkenden Sonne - mit der Gefahr, dass das Wetter wie im Gebirge gegen Nachmittag umschlägt?

Ganz offensichtlich haben wir uns für den morgen entschieden - auch weil es besser in unseren sonstigen Plan gepasst hat. Und wir haben Glück, denn nachdem wir das Boot bestiegen und abgelegt haben, hört es auf zu regnen und die Wolken reißen auf, sodass wir die beeindruckende Landschaft voll genießen können. Übrigens: Mit über 6800 mm Niederschlag und etwa 182 Regentagen ist es hier gar nicht so einfach, einen regenfreien Tag zu haben. Unser Guide erklärt uns auch, dass man einen regenfreien Tag eigentlich auch gar nicht möchte: Die zahlreichen beeindruckenden Wasserfälle speisen sich nicht etwa aus Gletschern oder Quellen - sondern aus Niederschlag. Die meisten von ihnen verschwinden daher auch schnell wieder, wenn es aufgehört hat zu regnen. So haben wir doppelt Glück: gute Sicht und dennoch viele Wasserfälle.

Unsere Tour führt uns entlang “hängender Gärten” und unzähliger Wasserfälle: Bridal Veil Falls, Stirling Falls, Bowen Falls und vieler weiterer. Und immer wieder wechselt die Landschaft zwischen schroffen Klippen und üppig bewachsenen Hängen. Sehr beeindruckend.

Apropos: Trotz des Namens ist Milford Sound kein Sound, sondern ein echter Fjord — eine Verwechslung, die frühen europäischen Entdeckern unterlaufen ist. Der Unterschied liegt in der Entstehung: Ein Sound bildet sich, wenn das Meer ein ehemaliges Flussbett überflutet — die Hänge setzen sich unter Wasser als sanfte Neigung fort, und wie bei einem Fluss ist das Tal zur Mündung hin tiefer; ein Fjord hingegen wird von Gletschern in den Fels gefräst, die taleinwärts am tiefsten graben und an der Mündung Moränenschutt hinterlassen — der Fjord ist also landeinwärts tiefer als zum Meer hin. Dazu kommen die charakteristischen senkrechten Wände, die sich genauso steil unter der Wasseroberfläche fortsetzen wie darüber. Genau das sieht man hier: 16 Kilometer lang, bis zu 512 Meter tief, mit Felswänden, die senkrecht bis zu 1.200 Meter aus dem Wasser steigen — und über allem thront der ikonische Mitre Peak mit 1.692 Metern. Auf Māori trägt der Fjord den Namen Piopiotahi.

Zweimal steuert der Kapitän unser Boot ganz nahe an einen der Wasserfälle heran - einmal sogar so nah, dass der Wasserfall sich direkt ins Vorschiff ergießt und die Passagiere Zuflucht im Innenraum suchen.

Die Vegetation nochmal ganz deutlich: hier regnet es viel.

Zurück an Land arbeiten wir uns langsam die Straße durch den Nationalpark zurück nach Te Anau vor. Auf dem Weg erwarten uns einige Aussichtspunkte - an denen wir auf dem Hinweg erstmal nur vorbeigefahren sind. Und auf mehreren treffen wir die berühmt-berüchtigten Keas an. Der Kea ist der einzige Gebirgspapagei der Welt — hochintelligent, neugierig auf alles Neue und in der Lage, Rätsel zu lösen sowie kooperativ zu handeln. Leider ist er auch gefährdet: Die Weltpopulation wird auf gerade einmal 1.000 bis 5.000 Tiere geschätzt. Bei Autofahrern ist der Vogel jedoch wenig beliebt, da er gerne Gummidichtungen oder Scheibenwischblätter anknabbert und so doch einigen Schaden anzurichten vermag.

Keas sollen ziemlich intelligent sein - ganz anders als diese Touristen, die bei ihrem Camper die Bremsscheiben erst durch Nicht-Benutzung der Motorbremse beim Bergabfahren heißlaufen lassen haben, um sie dann mit Wasser abrupt abzukühlen. Wenn sich da mal nicht die Bremsscheiben bei verziehen… 🙈

Auf dem Rückweg stoppen wir nochmal bei den Lupinen neben dem Campingplatz - wirklich schöne Wildblumen!

Leider hat es wieder angefangen zu regnen, sodass wir bei den Mirror Lakes keine richtige Spiegelung erkennen können. Dafür kann man aber umso besser sehen, wie glasklar das Wasser ist.

Eigentlich hatten wir eine weitere Nacht auf einem Campingplatz in der Nähe von Te Anau eingeplant - da es jedoch noch recht früh am Tag ist und die Vorstellung, hier im Regen etliche Stunden einfach abzusitzen denkbar unattraktiv ist, entscheiden wir uns dafür noch ein Stück weiterzufahren und mit mehr Abstand zum Meer auch vom Regen wegzukommen. Wir stornieren also unsere Campingplatzbuchung und fahren stattdessen über Te Anau hinaus weiter Richtung Südosten. Dort übernachten wir auf einem, ebenfalls in Fiordland liegenden, kleinen Campingplatz direkt am Lake Monowai.

Diese Entscheidung war absolut goldrichtig, denn der Campingplatz (im Grunde naturbelassener Wald mit Zufahrtsstraße, Informationsschild und Toilette) ist wunderschön und das Wetter ist hier viel besser.

Am nächsten Morgen brechen wir Richtung Invercargill auf, denn von hier werden wir später nach Stewart Island fliegen. Die Strecke führt durch sehr dünn besiedeltes Land - einzig Schafe sieht man einige. Auf jeden der rund 5,3 Millionen Neuseeländer kamen 2024 noch etwa 4,6 Schafe — ein historisches Tief; 1982 lag das Verhältnis bei sagenhaften 22:1 (Quelle).

Auf dem Weg machen wir allerdings noch ein paar Stops. Den ersten beim sehr fotogenen Wairaki Oxbow Lake Lookout.

Den Nächsten dann bei den etwas versteckten Clifden Caves - welche dennoch ungemein faszinierend sind. Das rund 300 Meter lange Höhlensystem ist in miozänem Kalkstein gegraben — entstanden vor 22 bis 18 Millionen Jahren am Meeresgrund aus Muschelschalen und Sedimenten. Im Innern leben Glühwürmchen, und ein markierter Durchstieg mit Leitern macht sie auch ohne Führung begehbar. Schade, dass wir nicht mehr Zeit haben - die Durchquerung der Höhle wäre sicher ein klasse Abenteuer gewesen!

Als Nächstes halten wir bei der quasi benachbarten Clifden Bridge, der längsten Holzhängebrücke Neuseelands.

Bei McCracken’s Rest kommen wir wieder ans Meer.

In Riverton holen wir uns noch ein paar Pies auf die Hand, um gestärkt die letzten Kilometer bis zum Flughafen von Invercargill zurückzulegen.