Tag 139 - 141: Abel Tasman National Park

Am Morgen brechen wir vom Pelorus Bridge Campground auf und fahren über Nelson nach Marahau. Hier beginnt für uns unsere Zeit im Abel Tasman National Park - und hier wird drei Tage später unsere Mehrtageswanderung auch wieder enden. Wir werden nämlich einen der beliebtesten Great Walks des Landes begehen, den Abel Tasman Coast Track. Der Weg kann in beide Richtungen begangen werden und ist insgesamt rund 60 km lang, wobei viele Wanderer nur einen 45 km langen Teil absolvieren und die Wanderung mit einer Fahrt mit dem Wassertaxi kombinieren. Genau das machen wir auch: In Marahau steigen wir morgens ins Boot und lassen uns nach Totaranui bringen. Und schon hier geht das Abenteuer los, denn hier steigt man nicht wie sonst in ein im Wasser liegendes Boot, sondern in ein Boot, welches auf einem Anhänger liegt. Mit Passagieren an Bord werden die Boote dann zum Meer gefahren, wo sie schließlich ins Wasser gelassen werden - eine wirklich interessante Erfahrung, die wir so auch noch nicht gemacht haben. Der Grund liegt in der Geographie: Die ausgedehnten Gezeitenflächen vor Marahau reichen bei Ebbe so weit ins Meer hinaus, dass herkömmliche Bootsrampen schlicht nicht ans Wasser reichen würden.

Die ca. 90-minütige Fahrt ist eine tolle Einstimmung auf den Nationalpark. Der Park wurde 1942 gegründet - genau 300 Jahre nachdem der niederländische Seefahrer Abel Janszoon Tasman als erster Europäer Neuseeland erblickte - und ist mit einer Fläche von nur 237 km² der kleinste Nationalpark des Landes. Wir sehen tolle Strände, leuchtend blaues Meer und saftig grünen Wald. Viele dieser Orte, die wir vom Wasser aus sehen, werden wir in den nächsten drei Tagen zu Fuß erwandern. Auch sehen wir kleine Pinguine, die uns sehr an die Zwergpinguine auf Tasmanien erinnern.

Der Split Apple Rock - auf Māori Tokangawhā (“aufgesprengter Fels”): Die Māori-Legende besagt, zwei Götter hätten um den Granitbrocken gestritten und ihn im Streit entzweigerissen; die Geologie erklärt es nüchterner mit Frostsprengung, bei der eingedrungenes Wasser gefror, sich ausdehnte und den Stein spaltete. In dieser grandiosen Umgebung wirkt er dennoch nur mäßig beeindruckend.

In Totaranui angekommen, füllen wir erstmal unsere Wasservorräte auf. Während unserer Dreitageswanderung gibt es nämlich nur unbehandeltes Wasser, sodass jeder Tropfen entweder filtriert oder abgekocht werden sollte - schließlich ist Durchfall sowohl beim Wandern als auch im Zelt äußerst unangenehm. Um das zusätzliche Gewicht auszugleichen, essen wir noch unsere mitgebrachten Brötchen - schließlich ist es besser mit weniger Gepäck und stattdessen gesättigt zu starten. 😉

Gegen Mittag geht es dann wirklich los. In den folgenden drei Tagen erwarten uns jeweils etwa 15 km lange Wanderungen mit einigen hundert Höhenmetern pro Etappe. Nicht, dass es in der Gegend wirkliche Berge gäbe - aber das fortwährende Auf und Ab summiert sich. Da wir die zwei Nächte campieren werden, tragen wir neben den üblichen Wandersachen auch noch unser Campingequipment und ausreichend Essen mit uns herum. Ach ja - wandern daheim, wo man auf Wanderungen einfach mal in einer bewirtschafteten Hütte (auf einen Kaiserschmarrn) einkehren kann, ist schon auch schön.

Gleich zu Beginn merken wir, warum der Küstenweg so beliebt ist. Die Strecke führt uns entlang der Goat Bay und der Waiharakeke Bay und wechselt ständig ihr Gesicht: mal dichter Urwald, mal offener Blick aufs Wasser, mal ein Abschnitt direkt am Strand. Dazu kommen hellgelbe Buchten, das türkisfarbene Meer und das Grün der Bäume - ein wirklich tolles Bild!

Nachmittags erreichen wir das Awaroa Inlet. Dies ist eine von zwei Stellen auf unserer Wanderung, an denen man sich nach den Gezeiten richten muss - und in diesem Fall sogar die einzige, bei der es keine Ausweichroute gibt. Laut Department of Conservation darf die Passage nur eineinhalb Stunden vor bis zwei Stunden nach Niedrigwasser durchquert werden - außerhalb dieses Zeitfensters ist sie zu gefährlich. Also heißt es warten, bis die Ebbe vollständig eingesetzt hat, dann Wanderschuhe aus und entweder barfuß oder mit Wasserschuhen durch den Matsch, über Sand und durch größere und kleinere Rinnsale auf die andere Seite. Zum Glück war uns diese Abhängigkeit von den Gezeiten vorher bekannt und wir haben die Wanderung dementsprechend geplant. Auch fällt die Ebbe für uns auf recht angenehme Uhrzeiten - zu anderen Jahreszeiten hilft dann nur frühes Aufstehen und/oder eine gute Wahl bei Richtung und Campingplätzen. Dass wir aber letztendlich dennoch durch etwas Wasser und Schlamm waten müssen, überrascht uns dann doch etwas. Schade, hatten wir doch gehofft, die Schuhe anlassen zu können. 🙈

Nach einer “Schlammkur” für die Füße erreichen wir die gegenüberliegende Seite. Hier geht es wieder bergauf, hinauf zum Tonga Saddle. Nach dessen Überquerung erreichen wir schließlich unseren Campingplatz in der Onetahuti Bay.

Dort entdecken wir auch noch einen (wirklich) kleinen Süßwasserpool, in dem wir uns nach dem anstrengenden Tag erfrischen und den Schweiß abwaschen können.

Der Campingplatz ist gut besucht - nicht nur von Menschen, sondern auch von Wekas. Dieser flugunfähige Laufvogel kommt nur in Neuseeland vor und erinnert sehr an ein Huhn - jedoch an ein sehr neugieriges und aufgewecktes Exemplar. Für ihre diebische Ader sind Wekas landesweit bekannt: Schlüssel, Besteck, Kochgeschirr - was nicht gesichert ist oder bewacht wird, verschwindet im Gebüsch. So können wir beobachten, wie ein Weka, nur unter Einsatz seines Schnabels, den Reißverschluss eines Zeltes aufzieht - ein Verhalten, welches es sicherlich über die Jahre im Umgang mit Campern erlernt hat.

Auch sehen wir, wie die Symbiose von Neuseeland-Glockenhonigfressern und Neuseeländischem Flachs funktioniert: der Vogel bekommt Nektar und deckt sich, beim Versuch an diesen zu gelangen, unfreiwillig mit großen Mengen Blütenstaub ein.

Am nächsten Morgen laufen wir weiter entlang der Küste, vorbei an Tonga Quarry sowie der Bark Bay und den gleichnamigen Wasserfällen. Das ständige Auf und Ab bleibt uns erhalten, belohnt aber immer wieder mit schönen Ausblicken auf Buchten, Wald und Meer.

Nachmittags müssen wir erneut eine Bucht durchqueren, diesmal die Torrent Bay. Leider ziehen die Wolken etwas zu, und so werden wir - zum ersten und letzten Mal auf dieser Wanderung - ein wenig nass von oben.

Hier gäbe es zwar auch eine alternative Wegvariante für den Fall eines höheren Wasserstands, diese ist jedoch deutlich länger, weshalb wir uns für die “Ebbevariante” entscheiden.

Anschließend geht es durch die Anchorage Bay und über einen kleinen Hügel zur Te Pukatea Bay, wo sich unser zweiter Campingplatz befindet. Die Bucht ist wirklich wunderschön, das Wasser klar und erfrischend! Zum Glück haben wir unsere kleine Reisedusche eingepackt, sodass wir uns nach einem kurzen Bad im Meer noch das Salz von der Haut waschen können.

Auch hier treffen wir wieder auf unser neuseeländisches Lieblingstier: den Weka. Und auch hier sind die Vögel ziemlich findig, denn im hohen Gras hinter unserem Zelt sehen wir einen von ihnen mit einer stibitzten Rolle Klopapier verschwinden.

Am letzten Tag führt der Weg dann nicht mehr hauptsächlich durch dichten Wald, sondern eher durch eine Buschlandschaft, die uns stellenweise fast ein wenig an Küstenregionen in Italien erinnert.

Die Veränderungen in der Landschaft über die drei Etappen sind durchaus erstaunlich. Unter anderem am Yellow Point Lookout und an der Coquille Bay ergeben sich nochmal schöne Ausblicke.

Später kommen wir an der Tinline Bay und bei Stu’s Lookout vorbei - und von dort ist es dann wirklich nicht mehr weit nach Marahau und zu unserem Auto.

Unterm Strich sind das drei sehr schöne Wandertage gewesen: abwechslungsreich, zwar etwas anstrengend, aber landschaftlich wirklich beeindruckend. Als wir wieder am Auto stehen, sind wir aber trotzdem froh, die Rucksäcke nun mal für längere Zeit abzulegen zu können.

Bei Ebbe zahlt es sich besonders aus, dass die Fahrgäste der Boote auf dem Betriebshof ein- und aussteigen.

Am späten Nachmittag fahren wir dann zurück nach Nelson und gehen dort Pizzaessen, bevor es weiter in den Nelson Lakes National Park geht, wo wir auf der West Bay Campsite übernachten.