Tag 129 - 131: Zentrale Nordinsel: Rotorua, Taupō und Tongariro
Wir starten morgens vom Matatā Campground am Meer und fahren ins Zentrum der Nordinsel nach Rotorua.
Hier besuchen wir die geothermalen Quellen im Kuirau Park, am Sulphur Point und in den Government Gardens an. Es finden sich Schlammtöpfe, heiße Quellen und einige Fumarolen. Sie sind zwar längst nicht so zahlreich und auch bei weitem nicht so farbenfroh wie ihre “Verwandten” im Yellowstone, stinken aber immerhin ähnlich stark nach Schwefel. Nichtsdestotrotz sind sie sehenswert - wenn auch sicherlich beeindruckender, wenn man nicht einige Monate vorher im amerikanischen Yellowstone NP gewesen ist.
Mittags stärken wir uns in einem Café, in dem zumindest ein paar Gerichte der maorischen Küche angeboten werden. Hier gibt es z. B. Gemüse und Fleisch, dass im Hangi, einem Erdofen gebacken wurde - sehr lecker. Rotorua gilt als eine der Städte mit dem höchsten Maori-Anteil an der Bevölkerung - dennoch ist es erstaunlich schwer, ein Lokal zu finden, welches Gerichte wie dieses anbietet. Zwar gibt es gezielt auf Touristen zugeschnittene “Maori Experiences” mit traditoneller Musik, Tänzen und Essen - wie authentisch ein solches Buffet dann aber wirklich noch ist, das sei mal dahingestellt.
Etwas südlich von Rotorua liegt das Waimangu Volcanic Valley, welches eine hohe geothermale Aktivität aufweist. Dass es hier so viele heiße Quellen gibt, liegt daran, dass wir uns in einer der vulkanisch aktivsten Regionen der Welt befinden. Die Taupō Volcanic Zone erstreckt sich von der Bay of Plenty (hier waren wir gestern bzw. heute Morgen) über Rotorua bis zum Lake Taupō und zählt zu den Supervulkanen - wie eben auch der Yellowstone. Die Zone ist etwa 250 km lang und je nach Bereich 30 bis 80 km breit. Innerhalb dieses Gebiets befinden sich etwa 17 große geothermale Gebiete. Und diese sind nicht nur bei Touristen beliebt, sondern auch hervorragend zur Energiegewinnung geeignet, denn Geothermie liefert 365 Tage im Jahr, 24 Stunden am Tag. Verschiedene Infotafeln nennen verschiedene Zahlen: je nach Quelle werden 5 bis 15 Prozent von Neuseelands Energiebedarf über Geothermie aus dieser Region gedeckt. Zurück zum Waimangu Valley: Hier handelt es sich nicht um einen Nationalpark, sondern um einen privaten Park - dementsprechend wird ein Eintritt fällig. Der Preis ist allerdings fair und es ist auch ein Shuttle inbegriffen, welches einen vom Fuß des Tales wieder hinauf zum Eingang fährt.
Wir wandern das Tal hinab und kommen dabei als Erstes am Southern Crater Lake vorbei, dessen grünes Wasser mit einem “roten Teppich” überzogen ist.
Anschließend führt der Weg am Frying Pan Lake vorbei, der (angeblich) größten heißen Quelle der Welt. Eine heiße Quelle, aber von der Größe eines kleinen Sees. Sie weist eine Durchschnittstemperatur von ca. 55 Grad auf, was, wenn man die Ausdehnung der Oberfläche und die damit verbundene Wärmeabgabe bedenkt, wirklich beachtlich ist.
Ab jetzt wandern wir entlang des Waimangu Streams, welcher immer wieder mit heißem Wasser aus einer Vielzahl kleiner, heißer Quellen gespeist wird und uns dementsprechend farbenfrohe Algenteppiche und solche aus Mikroorganismen präsentiert.
Etwas weiter ins Tal hinein liegt der türkisblaue Inferno Crater. Noch beeindruckender als die Farbe ist allerdings, dass diese Quelle einem festen Zyklus folgt: innerhalb weniger Wochen läuft sie voll, dann über. Anschließend trocknet sie fast aus, nur um sich dann aufs Neue wieder zu füllen.
Unsere Wanderung endet beim Lake Rotomahana, von wo aus wir mit dem Shuttle zurück zum Eingang gebracht werden. Auf dem Weg dorthin gibt es neben tollen Farbenspielen im heißen Wasser auch noch jede Menge Wasservögel zu sehen. Dieser Park gefällt uns wirklich gut, insbesondere auch deshalb, weil er sich entlang des Weges hinab ins Tal in verschiedene Abschnitte unterteilt und man so unterschiedliche Landschaften und Spielarten der Geothermie zu sehen bekommt.
Wieder beim Auto angekommen, geht es durch eine saftig grüne Hügellandschaft weiter zum Crater Lake (dieser unkreative Name wurde leider einer Vielzahl von Gewässern verpasst) bzw. zum etwas oberhalb gelegenen Aussichtspunkt, von dem man einen tollen Blick auf den knallblauen See hat.
Die Nacht verbringen wir am Lake Rherewhakaaitu auf dem Ash Pit Campground. Da wir bereits am frühen Abend hier ankommen, bleibt noch genug Zeit für ein erfrischendes Bad im klaren Seewasser und für etwas Entspannung auf der Liegewiese.
Nach dem Abendessen bekommen wir noch einen grandiosen Sonnenuntergang über dem See geboten, der sich über viele Minuten hinzieht und dabei in seiner Farbenpracht immer weiter steigert.
Am nächsten Morgen müssen wir pünktlich im Wai-O-Tapu Thermal Wonderland, einem weiteren nicht-staatlichen Naturpark, sein, um dem Ausbruch des Lady Knox Geysirs beizuwohnen. Dieser wird, entgegen allen anderen bisher besuchten Geysiren, mit Seife zum Ausbruch gebracht. Auf der einen Seite ist der Ausbruch natürlich trotzdem beeindruckend, aber irgendwie ist es auch schräg, dass dabei nachgeholfen werden muss. Würde man warten bis der Druck im System des Geysirs ohne Hilfe zu einem Ausbruch führt, so wäre das Resultät sicher beeindruckender - aber eben schwer vorherzusehen und für Touristen mit engen Zeitplänen gar nicht gut. An dieser Stelle sei an den Grand Geyser im Yellowstone National Park erinnert, bei dem wir leider vergebens über 90 Minuten gewartet hatten - da er eben nicht innerhalb des prognostizierten Zeitfensters ausgebrochen ist.
Nach dieser Showeinlage marschieren wir nun die heißen Quellen des Parks ab und sind besonders vom Champagne Pool beeindruckt, der ein wenig an eine kleine Version der Grand Prismatic Spring aus dem Yellowstone NP erinnert. Den Namen verdankt die Quelle übrigens den kleinen, am Rand aufsteigenden Gasbläschen, die an die Kohlensäure im Champagner erinnern sollen.
Auch die Artists Palette und Devils Bath sind schön anzuschauen.
Mittags fahren wir zum Lake Taupō, wo wir recht spontan eine Katamaranfahrt zu den maorischen Felsschnitzereien in der Ngātoroirangi Mine Bay unternehmen. Hierbei handelt es sich allerdings nicht um ein historisches Relikt, denn die Schnitzereien sind keine 50 Jahre alt. Stieß das Projekt zu Anfang auf nur begrenzte Begeisterung, so ist es heute eine der großen Touristenattraktionen der Region. Beim Blick über den See kann man auch den Mount Ngauruhoe sehen, welcher in der Herr der Ringe Verfilmung als Mount Doom herhält.
Unweit davon ankern wir für eine Badepause und genießen das kristallklare Wasser des Sees - welcher übrigens der größte See der südlichen Hemisphere ist.
Mit den letzten Sonnenstrahlen erreichen wir schließlich noch die tosenden Huka Falls: durch einen schmalen, natürlichen Kanal strömen enorme Mengen Wasser, dass es nur so schäumt. Hier möchte man wirklich nicht hineinfallen.
Leider haben wir erfahren, dass es im Tongariro National Park erneut gebrannt hat bzw. brennt (erst vor einem Monat sind große Teile des Nationalparks abgebrannt), sodass die Straße zu unserem Campingplatz geschlossen ist. Zum Glück konnte das Feuer jedoch gelöscht bzw. eingedämmt werden und unsere Wanderung am nächsten Tag kann wie geplant stattfinden. Wir suchen uns deshalb im Waikoko Valley einen ruhigen Platz im Wald für die Nacht.
Ruhig wird die Nacht jedoch nicht, da gegen 22 Uhr ein junges polnisches Pärchen ihren gemieteten Campervan nur unweit von uns in ein Erdloch buchsiert hat und uns um Hilfe fragt. Zwei Stunden versuchen wir alles: schieben, freigraben, aufbocken und Steine unterlegen - es hilft alles nicht und die Reifen drehen weiterhin durch.
Am nächsten Morgen fragen sie jedoch noch eine größere Gruppe und zu zehnt bekommen sie den Van aus der Mulde herausgeschoben. Nach einer doch recht kurzen Nacht brechen wir zu unserer Wanderung auf. Wir fahren zum Ketahi Car Park, wo wir unser Auto den Tag über stehen lassen werden. Von dort fahren wir mit einem Shuttlebus zum Mangatepopo Car Park, wo die eigentliche Tour beginnt. Wir starten bei strahlendem Sonnenschein den Tongariro Alpine Crossing, eine etwa 21 km lange Gebirgsüberschreitung, welche durch die Vulkanlandschaft des Tongariro National Park führt - einer von etlichen Great Walks, die Neuseeland zu bieten hat. Hier sehen wir auch die polnischen Pechvögel wieder - und nun verstehen wir auch, wieso sie partout noch in der Nacht ihr Auto wieder flott bekommen wollten.
Die ersten Kilometer laufen wir entlang der verbrannten Landschaft, dann geht es stetig bergauf in die karge Vulkanlandschaft. Nach einem kurzen Stopp bei den Soda Springs geht es einige Höhenmeter hoch auf den Tongarirosattel zum South Crater. Von hier aus hat man einen tollen Blick auf den Mount Ngauruhoe, einen weiteren Vulkan.
Wir erreichen den höchsten Punkt unserer Wanderung am Rand des Red Craters. Von hier hat man einen grandiosen Ausblick: In die eine Richtung auf den South Crater mit Mount Ngauruhoe im Hintergrund, in eine andere Richtung auf eine rote Felswand mit Schlucht. Vor uns liegt der Red Crater mit den grünen Emerald Lakes und im Hintergrund der Blue Lake. Von nun an heißt es: Ran an den Abstieg!
Nach einer Mittagspause geht es den Geröllhang hinunter zu den verschiedenen Seen. Hier ist durchaus eine gute Balance und Körperkontrolle gefordert, denn das Geröll ist rutschig und während wir unser Mittagessen verzehrt haben, haben wir so manchen Wanderer und so manche Wanderin einen unfreiwilligen Zwischenstopp auf dem Hintern einlegen sehen.
Mit fast durchgehendem Blick ins Tal wandern wir, Höhenmeter um Höhenmeter, Kilometer um Kilometer, in Schleifen den Hang hinab und dem Tal und dem Parkplatz entgegen.
Gegen Ende der Wanderung führt der Weg noch durch einen idyllischen Wald mit Bachläufen und Wasserfall.
Wenig später erreichen wir, erschöpft aber zufrieden, unser Auto und fahren weiter zu den Tawhai Falls, wo wir uns im kühlen Wasser erfrischen.
Die Nacht verbringen wir auf dem Mangahuia Campground, der heute zum Glück wieder erreichbar ist.