Tag 126 - 128: Coromandel-Halbinsel

Morgens packen wir unsere Sachen und fahren mit Zug und Bus zum Flughafen, um dort unseren Mietwagen für die nächsten zwei Wochen abzuholen. Dabei teilen wir uns auf - Carla wartet am Bahnhof mit dem Gepäck und Florian fährt weiter zum Flughafen. Leider wird diesmal - zum ersten Mal überhaupt auf der Reise - der internationale Führerschein verlangt. Dieser befindet sich allerdings im Gepäck und ein Scan reicht dem Schalterpersonal nicht aus. Also macht sich Carla mit dem gesamten Gepäck auf den Weg zum Flughafen - nur damit das Dokument dann keines Blickes gewürdigt, geschweige denn aufgeschlagen wird … Fairerweise muss man sagen, dass sie auf ihrer Website schreiben, dass man einen internationalen Führerschein bei Abholung benötigt. Auch wenn sich nicht ganz ergibt wieso, halten sie deutsche EU-Führerscheine doch dutzende Male am Tag in Händen und wissen sicherlich genau auf welche Felder sie schauen müssen. So starten wir also mit einiger Verzögerung Richtung der Coromandel-Halbinsel im Nordosten der Nordinsel.

Wir erreichen die Halbinsel am frühen Abend und fahren durch Thames in das Kauearanga Valley im Coromandel Forest Park. Dort steigen wir kurz auf zum Edwards Lookout, um einen Ausblick ins Tal und auf den Table Mountain zu bekommen.

Am Ende der Schotterstraße laufen wir noch zu Billy Goat Landing, wo sich neben Wasserfällen auch Informationen zur Geschichte des Tals finden: Bis in die 1940er Jahre wurden hier Kauribäume abgeholzt. Da diese jedoch oben auf dem Bergrücken gewachsen waren, es steil ins Tal geht und zu viele Stämme beim einfachen Hinabwerfen zerbarsten, musste eine Technik her, um die Stämme heil ins Tal zu bekommen. Man entschied sich für eine Kombination aus Wasserwegen mit Dämmen und Schienenwägen.

Der Kauribaum, auch Neuseelandkiefer genannt, ist ein nur auf der Nordinsel heimischer, immergrüner Baum. Er gehört zu den Nadelbäumen und wurde leider aufgrund seiner positiven Eigenschaften wie Feuerfestigkeit, “Geradlinigkeit” und Haltbarkeit in großem Stil abgeholzt und zusätzlich, gerade auch in aktueller Zeit, durch Krankheiten dezimiert. Auch das Harz, welches vor allem in Lacken verwendet wurde, aber auch Bestandteil von Linoleum ist und bei der Schmuckherstellung Verwendung findet, erfreute sich großer Nachfrage.

Neben Holz wurde im Kauearanga Tal auch Gold abgebaut, hiervon zeugen in der Gegend um Broken Hills noch Überreste. Wir übernachten auf einem der vielen schönen und ruhig gelegenen Campingplätze im Tal.

Am nächsten Morgen lernen wir im Besucherzentrum noch etwas über Moas - eine Familie von Laufvögeln, deren größte Exemplare (der North Island Giant Moa; allerdings nur die Weibchen, Männchen waren kaum halb so groß) eine enorme Höhe (mit nach oben gerecktem Kopf) von bis zu 3 Metern erreichten und geschätzt bis zu 250 kg auf die Waage gebracht hätten. Hätten, da die lediglich in Neuseeland heimischen Moas allesamt um das 15te Jahrhundert herum Jahren ausgestorben sind, also circa 200 Jahre nachdem die ersten Menschen das heutige Neuseeland besiedelten. Ob direkt durch Jagd, Plündern der Nester oder durch einen eingeschränkten Lebensraum ist bis heute nicht ganz klar - da man jedoch Knochen von Moas zusammen mit Überresten früher Siedlungen gefunden hat, geht man von ersterem aus. Dabei hatten es die Jäger wohl recht einfach: Da die Moas außer dem Haastadler - dem mit bis 3 Metern Spannweite wohl größten Greifvogel der Neuzeit, welcher kurz nach dem Moa ausstarb - keine natürlichen Feinde hatten, hatten sie mutmaßlich auch kein Fluch- und Abwehrverhalten erlernt.

Nach dem Stopp im Besucherzentrum umrunden wir die Halbinsel einmal im Uhrzeigersinn. Los geht es in Thames, wo gerade die alljährliche Santa Parade stattfindet, bei der Vereine und Unternehmen aus der Gegend mit Wägen die Hauptstraße entlang ziehen - so wie man es bei uns von Faschings- oder Festumzügen kennt. Ein glücklicher Zufall, denn so bekommen wir hautnah mit, wie hier Weihnachten zelebriert wird - auch wenn ja noch etwas Zeit bis zum Fest ist.

Weiter Richtung Norden erreichen wir nach einigen Kilometern das Städtchen Coromandel und machen dort den Kauri Block Walk. Leider können wir keinen Kauribaum finden. Das kann aber gut an unseren fehlenden botanischen Kenntnissen und der mangelnden Beschilderung liegen; wir werden jedoch trotzdem mit einem schönen Ausblick auf die Bucht von Coromandel belohnt.

Wir überqueren die auf der Halbinsel aufragenden Berge und fahren an die Ostküste und dann Richtung Süden bis zum Hot Water Beach: Dort kann man sich bei Ebbe Löcher am Strand buddeln und mit etwas Glück trifft man dabei auf eine Stelle, an der heißes Wasser an die Oberfläche gelangt.

Wir haben nur ein kleines Schäufelchen dabei - und stoßen nur auf kaltes Wasser. Andere Gäste haben jedoch mehr Glück und wir können uns davon überzeugen, dass teils so heißes Wasser aus dem Boden tritt, in dem nicht mit den Füßen verweilen kann. Da jedoch die Flut einsetzt, überspülen die ersten Wellen die errichteten “Badebecken” und auch die chancenlosen Versuche, Wälle aus Sand aufzuschütten zögern das unvermeidliche Ende der Badezeit nur unwesentlich hinaus.

Von hier aus geht es nach Hahei und dort zur Cathedral Cove. Die Cathedral Cove erreicht man über einen Küstenwanderweg und entpuppt sich als kleine, von Felsen umgebene Bucht mit einer großen Felsöffnung, durch die man bei Ebbe trockenen Fußes zur nächsten Bucht gelangt. Etwas oberhalb findet sich auch noch ein schöner Aussichtspunkt auf die Küste.

Wir fahren noch etwas Richtung Süden und gelangen zum Broken Hills Campground, der ebenfalls zum Coromandel Forest Park gehört und in dem wir schon in der Nacht zuvor übernachtet haben, der allerdings auf der anderen Seite der Berge liegt.

Am nächsten Morgen fahren wir zur Karangahake Gorge, wo sich früher mehrere Goldbergwerke befunden haben. Heute können die alten Stollen, Tunnel und Schienenwege als Fußgänger genutzt werden. Ziemlich cool, dass man einfach so durch Teile eines alten Stollens laufen darf. Der Windows Walk führt uns über alte Bergwerksgleise durch Tunnel und endet an einer Hängebrücke, die die Schlucht bzw. das darin fließende Flüsschen überspannt. Einige Wege sind leider gesperrt, dennoch ein lohnenswerter Abstecher.

Von hier aus geht es nach Tauranga zum Mount Maunganui. Der etwa 230 Meter hohen Berg liegt direkt am Meer und vom Gipfel hat man einen tollen Rundumblick auf die Stadt, ihre Strände und die umgebende Bay of Plenty. Auf dem Weg nach unten sehen wir lustigerweise dasselbe Kreuzfahrtschiff im Hafen liegen, welches wir bereits ein paar Wochen vorher in Sydney gesehen haben.

Abends übernachten wir etwas weiter südlich am Meer auf dem Matatā Campground. Leider ist das Wasser hier sehr aufgewühlt und dadurch nicht so wunderbar klar, wie an den Stränden, die wir mittags vom Gipfel des Mount Maunganui aus gesehen haben - allerdings entschädigt die Vielzahl gut erhaltener, farbenprächtiger (Jakobs)Muscheln dafür.