Tag 1 - 3: San Francisco
Los geht’s für uns in San Francisco. Von den Native Americans schon lange bevölkert, haben sich die Europäer in Form der Spanier erst um 1770 in “the Bay” niedergelassen. Als Yerba Buena ab 1821 dann Teil des frisch gegründeten Mexikos fiel das Gebiet in Folge des Mexikanisch-Amerikanischen Krieges 1846 an die USA und wurde Ende 1847 in San Francisco umbenannt. Hatte es 1847 noch weniger als 500 Einwohner ist es zwar auch heute mit, je nach Zählweise, 800.000 Einwohnern keine besonders große Stadt - dennoch in aller Welt berühmt als Zentrum von “Multikulti” und “Flower-Power”. Und natürlich für die Golden Gate Bridge, die hügeligen Straßenzüge mit den historischen Cable Cars, die kurvige Lombard Street, Alcatraz und die (bunten) Häuschen im viktorianischen Stil.
Nach der Gepäckabholung werden wir direkt freundlich “angequatscht”, nach unserer Herkunft befragt und unsere Antwort “Deutschland” wird mit einem “Oh, great, I’ve got some really good friend there!” quittiert. Ein wenig Smalltalk, dann werden wir mit “Welcome to America!” verabschiedet. Es ist schön, sich willkommen zu fühlen. Ein Gefühl, das sich bisher nur verstärkt hat. Die Offenheit und Freundlichkeit der Amerikaner erscheint bisher wirklich sprichwörtlich.
Die Fahrt vom Flughafen in die Stadt mit dem BART ist durchaus eine Erwähnung wert: doch recht heruntergekommen und mit skurrilen Fahrgästen gestraft, hinterlässt diese Stadtbahn keinen besonders guten ersten Eindruck von San Francisco. Lustig hingegen ist es zu sehen, dass man durchaus auch Motorräder in der U-Bahn transportieren kann.
Unser Hotel ist einfach, aber doch auch etwas Besonderes. Das “San Remo” liegt im italienischen Viertel North Beach und schaut innen - das ist aber durchaus positiv gemeint - noch so aus wie es vor 50 Jahren ausgeschaut haben muss. Im Erdgeschoss befindet sich auch das angeblich älteste italienische Restaurant Amerikas.
Unsere Unterkunft: Das San Remo. Liebevoll bis ins Detail gestaltet, wir haben uns wie in eine andere Zeit versetzt gefühlt!
Tag 1 starten wir bei milden Temperaturen und strahlend blauen Himmel mit einem “Breakfast Burger”, um für die vielen anstehenden “Fußkilometer” auch gerüstet zu sein. Erstes Ziel ist dabei die Lombard Street, die sich in engen S-Kurven und von Grün gesäumt den Hang hinaufwindet. Wäre sie zu Hause sicherlich eine autofreie Zone, so ist sie hier Teil des offiziellen Scenic-Drives.
Von hier geht es weiter zum Coit Tower, einem der Feuerwehr gesetzten Denkmal. Den Weg nach oben zur Aussichtsplattform sparen wir uns - der Ausblick auf die Skyline von unten ist schon gut genug.
Weiter geht es nach China Town, einer kleinen Welt für sich. Nicht nur, dass hier die ansonsten eher niedrige “Maskendichte” sprunghaft ansteigt, man hört hier auch kaum Englisch und Carla hat beim Bestellen verschiedener Dim Sums in einer chinesischen Bäckerei ihre liebe Mühe.
Nach einigen weiteren Gehminuten durch das Financial District in Downtown San Francisco kommen wir am Union Square an, von wo es dann mit einem historischen Cable Car einmal quer durch die Stadt zurück nach North Beach geht. Von einstmals 23 Linien existieren heute noch drei - und diese werden hauptsächlich von Touristen frequentiert. Das Besondere bei diesem 150 Jahre alten Transportmittel ist, dass die ikonischen Wägen selbst über keinen Antrieb verfügen, sondern sich, ähnlich der Gondeln bei einem Skilift, in ein permanent angetriebenes, in der Straße verlaufendes, Seil ein- bzw. aushängen. Dies ermöglicht es ihnen Steigungen zu überwinden, die “normalen” Straßenbahnen unmöglich sind.
An Tag zwei geht es früh los. Nach einem kurzen Stopp in der Liguria Bakery und zwei großen Focacce im Gepäck, setzen wir mit einem Ausflugsboot zur Gefängnisinsel Alcatraz über. “The Rock” blickt dabei auf eine bewegte Geschichte zurück: Erst ein Fort der US-Army zur Sicherung der Bucht von San Francisco, dann ein Militärgefängnis, später ein Hochsicherheitsbundesgefängnis, nach dessen Auflösung dann besetzt durch Native Americans zur Einforderung von mehr Rechten und heute schlussendlich eine Kombination aus Vogelschutzgebiet, Museum und Denkmal betreut vom National Park Service.
Saßen hier früher Gangstergrößen wie Al Capone ein, so wimmelt es heute von Touristen, die die winzigen, über mehrere Stockwerke gestapelten Zellen bestaunen. Zwar sind die Zellen nicht gerade groß - mit fließendem Wasser, eigener Toilette und später sogar einem Kopfhöreranschluss zum Radiohören waren sie aber geradezu modern. Der Zeit entsprechend gab es selbst im Gefängnis eine Rassentrennung: Latinos, Asiaten und “Weiße” wurden gemischt, Afroamerikaner getrennt untergebracht. Konnten früher bis zu 336 Männer beherbergt werden, so sind es heute sicher mehr Touristen, die über die Insel streifen. Dementsprechend froh sind wir, mit dem ersten Boot gekommen zu sein (definitiv unsere Empfehlung!).
Mehr noch als von Menschen wird Alcatraz heute aber von Vögeln bevölkert: hunderte von Brandt’s Cormorants brüten an den steilen Hängen ihren Nachwuchs aus.
Freiwillige betreuen die Gärten von Alcatraz, welcher zu dieser Jahreszeit einfach herrlich ausschauen. Ein wirklich schöner Ausflug, den wir nur empfehlen können.
Eine nachweislich erfolgreiche Flucht aus Alcatraz gab es übrigens nicht: Alle, denen die Flucht aus dem Gebäude in das die Insel umgebende Wasser des Pazifiks gelang, wurden entweder nie wieder gesehen (vermutlich weil in den starken Strömungen der Bucht ertrunken) oder kurz danach unterkühlt und erschöpft wieder eingesammelt. Uns hat man heute zum Glück unbehelligt mit dem Schiff abreisen lassen.
Wieder zurück an Land geht es für uns - nach einem Essensstop auf Pier 39 und Bestaunen der dortigen Seelöwen - mit dem Bus zur Golden Gate Bridge.
Die 1937 nach nur gut 4 Jahren Bauzeit fertiggestellte, 2,7 km lange Brücke in ihrem Farbton International Orange ist wirklich faszinierend: war man sich zur damaligen Zeit gar nicht sicher, dass eine solche Brücke überhaupt gebaut werden könnte, überspannt sie auch heute nach starken Erdbeben noch immer unbeschadet den Eingang zur Bay. Zwar ist sie nicht mehr Rekordhalterin für die längste Hängebrücke der Welt, das macht sie aber nicht weniger beeindruckend.
Nachdem es uns oben am Aussichtspunkt zu windig wird, machen wir uns zu Fuß über Crissy Fields am Strand entlang zurück Richtung Stadt. Noch ein paar Fotos bei Dunkelheit und schon ist der zweite Tag in San Francisco vorbei.
Tag drei beginnt wieder ganz entspannt. Wichtigster Punkt auf unserer Liste heute: Abholung des Mietwagens, der uns ab dann für fast 6 Wochen begleiten wird!
Nachfolgend noch ein paar weitere der vielen Impressionen aus San Francisco.